2. Sonntag der Osterzeit - Weißer Sonntag - Sonntag der göttlichen Barmherzigkeit.

12. April 2026

L1: Apg 2, 42-47, 
AntPs:  118, 2. 4.14–15.22–24.28, L2: 1. Petr 1, 3-9, 
Ev: Joh 20, 19-31 

Liebe österliche Feiergemeinde, Schwestern und Brüder im Glauben an den auferstandenen Jesus Christus

Die Osterzeit führt uns jedes Jahr aufs Neue an den Beginn des Christentums: Menschen, die an den auferstandenen „Gesalbten“, Christus, glauben. 
Mit dem Ostermorgen machen – nach den Frauen – immer mehr Menschen die Erfahrung: Jesus ist nicht tot! Er lebt! Ganz anders und noch wunderbarer als zuvor. Das heutige Evangelium setzt am Abend dieses Auferstehungstages an und steht mit seiner Botschaft für die Herausforderung und zugleich die größte Wirkkraft der Apostel und der Urgemeinde, die sich im Folgenden über Kleinasien bis nach Rom ausbreitete. 

Da ist einerseits der Zweifel, das rationale Denken, die Angst vor der Verfolgung. Und durch die Begegnung mit Jesus die Erfahrung von Frieden, von Mut, von Begeisterung, von glaubendem Vertrauen. In der Begegnung mit dem Auferstandenen verdeutlicht sich das Bild unseres barmherzigen Gottes. Denn Jesus erscheint seinen Jüngern nicht als gnadenloser Richter. Als einer, der den Unglauben anprangert, der Petrus und die anderen für ihre Verfehlungen in den vergangenen Tagen zurückweist. 
Jesus bringt Frieden in eine von Furcht und Zweifel aufgelöste Stimmung. Er findet den Weg selbst durch verschlossene Türen und Herzen und öffnet sie mit seinem zugänglichen Wesen. 
Thomas könnte unserer heutigen Zeit nicht näher sein. Wo wir nach Tatsachen verlangen und nach soliden Beweisen. Gerade ihm wendet sich Jesus so zu, dass Thomas begreifen kann, dass wahr ist, was verkündet wurde. Und er versteht, dass es die Berührung nicht braucht, um zu fühlen, dass Jesus in seiner göttlichen Barmherzigkeit erfahrbar ist. 

Und das, liebe Feiergemeinde, dürfen wir auch heute noch glauben. Dass wir Jesus Christus, die Liebe Gottes, auch heute in unserem Leben erfahren dürfen. Und heute in seinem Wort erfahren haben. Diese Erfahrungen mit dem Auferstandenen und dem Heiligen Geist waren es, die die Urgemeinde aufblühen ließen. 
In der Apostelgeschichte hörten wir die idealisierte Erzählung, wie sich das Leben in der Urgemeinde gestaltete. Und dabei werden vier zentrale Säulen geschildert, die ein christliches Gemeindeleben auszeichnen: 

Die Weitergabe des Glaubenszeugnisses der Apostel und Apostelinnen (Maria Magdalena). Die Verkündigung der Auferstehung und der Heilstaten, die Jesus gewirkt hat. Und mit seinen Worten seine neue Lehre der alten Schriften im Geiste der Liebe Gottes zu seinem Volk und der ganzen Welt.  

Das Leben in Gemeinschaft, wo jeder sein Möglichstes tat, damit niemand Not oder Hunger leiden musste. Aber natürlich auch das gemeinschaftliche Leben, das aufeinander Achtgeben, das Miteinander-Sein. 

Das Brechen des Brotes als zentraler Identifikationspunkt mit Christus, den wir als katholische Christen in unserer Liturgie der Eucharistiefeier fortsetzen. 

Im Gebet die persönliche Beziehungspflege mit Gott, und schließlich schreibt der Evangelist Lukas, dass die Apostel viele Wunder und Zeichen wirkten, die die Nöte der Menschen linderten, wie in den anschließenden Kapiteln zu lesen ist. 

Vielleicht ist es euch aufgefallen: Die Verkündigung, die Liturgie, die Gemeinschaft, die tätige und immer wieder wunderbehaftete Nächstenliebe der Caritas sind auch die Säulen, auf die sich unsere Pfarrgemeinde mit dem Leitungsmodell im Seelsorgeteam stützt. Es ist die wohl größte Stärke der diözesanen Strukturerneuerung, sich auf genau diese Grundprinzipien der Urgemeinde zurückzubesinnen. Bei allen gesellschaftlichen und organisatorischen Herausforderungen, die sich in unserem Pfarrleben immer wieder stellen, dürfen wir uns auf etwas verlassen. 
Dass nämlich die Säulen unserer Pfarrgemeinde denselben Grundlinien folgen, die die Urgemeinde in Jerusalem vor rund 2000 Jahren haben wachsen lassen. Über Kleinasien bis nach Rom, bis heute zu einer weltweiten Gemeinschaft von Schwestern und Brüdern. 

Wir heute in Gallneukirchen stehen vor anderen Herausforderungen als die Urgemeinde, aber auch wir erleben Bedrängnisse, wie es im Petrusbrief heißt. Wir müssen uns nicht um Leib und Leben fürchten, wenn wir uns als Christ:innen zu erkennen geben, wie die Gemeinden, an die Petrus seinen Brief sendet. Aber wir müssen mit einem ehrlichen Blick auf unsere Demographie daran arbeiten, dass wir die jesuanische Botschaft – der positiv verändernden Kraft der Liebe Gottes – verständlich und erfahrbar in die Welt verkünden. 
Denn was unserer Zeit fehlt, ist genau das: eine Barmherzigkeit ohne Eigeninteresse und eine lebendige Liebe im Miteinander. 
Ziehen wir uns also nicht vor den Bedrohungen unserer Zeit verängstigt hinter verschlossenen Türen in unsere Häuser zurück, sondern treten wir auf und verkünden: Friede sei mit dir. Und tragen wir die Frohe Botschaft in unserem Alltag hinaus in die Welt.

AMEN