Pilgergottesdienst 
St. Leonhard
11. Oktober 2025

Die Fußwallfahrt nach St. Leonhard hat lange Tradition seit über 100 Jahren werden die gut 30 Kilometer im Oktober gegangen.

Jes 43, 1-3
Ps 121, 1-2.3-4.5-6.7-8
1. Petr 3, 15-18 
Mt 11,28-30 

 

Liebe Feiergemeinde, liebe Wallfahrer:innen, Schwestern und Brüder im Glauben an den begleitenden GOTT!

 In einer Pfarrgemeinderatssitzung vor dem Sommer, bei der ich als Gast anwesend sein durfte, wurde in einem breiten Gedankenaustausch ein Jahresmotto gesucht – ein Thema, das uns und alle Menschen in der Pfarrgemeinde begleiten soll.
 Ein Motto, das uns auf etwas hinweist, das uns erinnert, das wir hinaustragen wollen.
 Und bei diesem Suchen hat sich ein Anliegen – neben vielen anderen wertvollen Inhalten – herauskristallisiert:
 Wie gehen wir heute mit unserer Spiritualität um? Welchen Wert hat der Glaube in der heutigen Zeit? Wie können wir positive Glaubenserfahrungen weitergeben?
Diese Sammlung wurde schließlich in einen griffigen Satz gegossen, der uns auch heute schon bei den Andachten auf unserem Weg begleitet hat:
„WAS TRÄGT UNS?“
Was gibt uns Halt? Bei wem finden wir Ruhe?
Was sind die Ankerpunkte in meinem Leben, auf die ich mich verlassen kann – auf die wir uns verlassen können? 

 Vielleicht habt ihr unterwegs eines der Andachtsthemen schon miteinander besprochen.
 Und es ist wichtig, sich bewusst zu machen: Jedes dieser Themen gibt Menschen Halt.
 Die eine findet in der Familie ihre Kraftquelle, für den anderen ist es die Gemeinschaft im Verein, die Beziehung zu einem Haustier, die Bewegung in der Natur, das Auspowern beim Trailrunning oder im Fitnessstudio.
 Der Mensch braucht Haltegriffe im Leben – eine Struktur, ein Netz, das da ist, wenn einem der Boden unter den Füßen weggezogen wird. Wenn Unheil über uns hereinbricht. Wenn wir nicht mehr weiterwissen.
 Und ich denke, es ist nicht an uns, zu bewerten, was den vermeintlich besten Halt gibt. 

 Als Christinnen und Christen haben wir – neben all den individuellen Sicherungen – einen gemeinsamen Haltepunkt, an dem jede und jeder anknüpfen kann.
 Ich möchte mit euch auf vier Themen der heutigen Schriftstellen blicken, die uns Gott als den näherbringen, der uns trägt. 

 Halt in den Krisen des Lebens – das sagt uns die bildgewaltige Erzählung Jesajas zu.
 Die prophetische Schrift entstand, um den im Exil zerstreuten Israeliten Mut zuzusprechen, sie daran zu erinnern, dass Gott sie nicht vergisst.
 In den Worten des Propheten werden wir daran erinnert, dass jeder Mensch von Gott gerufen ist. Ganz persönlich: Ich und du.
 Gott ruft mich beim Namen, weil er mit mir eine Geschichte schreibt.
 Und folge ich seinem Ruf, so darf ich in allen Krisenlagen – Feuer und Wasser, Exil und Vertreibung, Krankheit und Tod – darauf vertrauen, dass Gott im Leben und im Leiden mitgeht und mitträgt; dass Gott wahrhaft ein Retter ist.

 In den Psalmen wird dieses Thema aufgegriffen.
 Die Lieder, die die Israeliten wie die Christinnen und Christen seit dem 1. Jahrtausend vor Christus singen und beten, sind voll von der Zusage eines Gottes, der uns nährt, der uns Ruhe verschafft, der uns ein Hirte ist – oder, wie wir vorhin gesungen haben, Hilfe und Rettung.
 Oder – wie vielleicht auf der heutigen Wallfahrt erfahren – der unsere Füße nicht wanken lässt und unser Gehen behütet. 

 Die biblischen Schriften geben uns dabei immer Zeugnis von Erfahrungen, die Menschen in alter Zeit gemacht haben, wie Jesaja oder König David.
 Aber machen nicht auch wir heute Erfahrungen mit Gott?
 In der Begegnung mit Menschen:
 Wenn mir jemand zuhört, ohne zu urteilen – und ich spüre, dass ich angenommen bin.
 Wenn ein Mensch genau im richtigen Moment da ist, um zu helfen oder zu trösten.
 Wenn Versöhnung gelingt, obwohl alles festgefahren scheint.
 Dann machen wir eine spürbare Erfahrung der Liebe Gottes, die uns annimmt, die uns auffängt, die uns sieht, wie wir sind – ehrlich, echt, authentisch.

 Oder in der Schönheit der Schöpfung:
 Der Sonnenaufgang, der uns jeden Tag geschenkt wird; Wind und Regen, die kühlen, wachsen und gedeihen lassen – da dürfen wir glauben, dass Gott sich im Atem der Welt zeigt.
 Dass er am Anfang der Schöpfung seine Liebe in unsere Welt gepflanzt hat. 

 Im Evangelium, wo wir Jesus selbst begegnen – in seinen Worten –, hat er es uns zugesagt:
 Mit aller Mühsal und mit aller Last erwartet der HERR uns.
 Er gibt uns Halt und Ruhe.
 In den Leiderfahrungen, die wir in unserer Zeit durchleben, kann es den Moment der Linderung und der Hoffnung geben – einen Augenblick, wo die Last leichter wird und wir sie tragen können.
 Da dürfen wir glauben, dass Gott mit uns geht und uns trägt, dass seine Liebe uns nicht verzweifeln lässt. 

 Schwestern und Brüder,
 ich glaube fest daran, dass wir auch heute solche Erfahrungen der Nähe und Liebe Gottes machen.
 Doch sie fallen uns im Trubel des Alltags, im Stress der Arbeit und Aufgaben, in einem gesellschaftlichen Klima des Gegeneinanders und des Neids oft nicht mehr auf.
 Und da sehe ich den Aufruf aus dem Petrusbrief als einen kleinen Hoffnungsschimmer:
 Dass wir als Christinnen und Christen uns gerade in Zeiten der Krisen bewusst werden – wir sind getragen.
Wir haben Hoffnung – aufgrund der Erfahrungen der Propheten, der Jünger Jesu, aber genauso in unserem bewussten Erleben heute.
Dass wir mutig sind und unser Umfeld, dort, wo wir wirksam sind, darauf hinweisen, dass es die Spuren des Guten, die Spuren einer vollkommenen Liebe in unserem Leben gibt, die uns Halt und Sicherheit gibt.
Dass wir diesen Spuren folgen können, um schließlich Gott in unserem Alltag zu entdecken. 

 Ich hoffe, dass ihr heute kleine alltägliche Erfahrungen des Getragen-Seins gemacht habt.
 Dass die Hoffnungsbatterien aufgeladen und wieder bereit sind, Rede und Antwort zu stehen – in Wort und Tat.
 Denn Gott trägt uns.
Er begleitet uns bei jedem Schritt, den wir gehen.
So vertrauen wir ihm – und tragen einander.
AMEN