Gräbersegnung am Allerheiligentag

1. November 2025

Joh 11, 17a.20-25.27.33.35

 Liebe trauernde, vermissende, hoffende Feiergemeinschaft 

Der Friedhof ist ein besonderer Ort. In einer Region wie der unsrigen gibt es wohl keinen Zweiten, der uns so verbindet wie dieser.
Heute sind hier, Menschen aus 5 politischen Gemeinden und darüber hinaus - mit unterschiedlichsten sozialen und spirituellen Hintergründen. Ganz unterschiedlich und doch vereint. Denn alle hier stehen an einem Grab, in dem Menschen bestattet sind, die uns lieb und teuer sind. Wir alle stehen hier, weil wir in unserem Leben eine Leerstelle haben - einen Verlust. Menschen, die uns fehlen: Großeltern, Eltern, Töchter und Söhne, Arbeitskollegen und Freundinnen. Der Tod als das unausweichliche Ereignis in unserem Leben verbindet uns als Menschen genauso wie die Trauer über den Tod von Liebgewonnenen und Anvertrauten.

Das verbindet uns hier im Miteinander und es verbindet uns mit der biblischen Botschaft, die wir soeben gehört haben. Denn auch in der Geschichte Gottes mit uns Menschen ist Trauer präsent. In einer der dichtesten Erzählungen aus dem Leben Jesu erfahren wir, dass Gott auch da, wo wir trauern und weinen, mitgeht und für uns da ist. 

Mit Martha hören wir von einer Frau, die ein sehr menschliches Gefühl zeigt, dass wir im Angesicht vom Tod geliebter Menschen nur zu gut kennen. Es ist Zorn, es ist Wut es ist der Vorwurf: Warum warst du nicht da? Denn manchmal ist die Situation, jemanden Geliebten zu verlieren eine unzumutbare Überforderung, in der wir einen Schuldigen brauchen, um das Geschehene auszuhalten. 

Und da steht Jesus in der Erzählung bereit und weicht nicht aus, sondern trägt die Last mit seiner Freundin. 

Und selbst Jesus, der Gottes Sohn ist, ist uns in der Erfahrung der Trauer gleich. Im Bewusstsein, dass sein Freund gestorben ist, im Anblick seiner trauernden Freundinnen und Begleiter - da trauert Jesus selbst. Gott trauert mit uns, er weint mit uns. Er lässt uns in diesem Schmerz nicht allein, weil er selbst diesen Weg von Leben und Tod gegangen ist.

Das große Holzkreuz und die unzähligen Kreuze hier am Friedhof erinnern uns daran, dass Gott selbst Leid und Tod mit uns Menschen teilt und uns nicht allein lässt. Das woran wir glauben dürfen, ist, dass er uns auch am Ende des Lebens hält und begleitet  - und, mit den Worten Jesu, nicht sterben lässt. 

Daran dürfen wir glauben, wenn wir hier an unsere lieben Verstorbenen denken: dass sie in unseren Erinnerungen lebendig bleiben und dass sie im Tod nicht allein gelassen sind. 

So wie wir uns miteinander in unserer Trauer gleichen, so sind wir auch aufgerufen einander zu trösten - wie Jesus es uns vorgelebt hat. - AMEN 

Evangelium nach Johannes

In jener Zeit
ging Jesus nach Betanien weil sein Freund Lazarus gestorben war
20 Als Marta hörte, dass Jesus komme, ging sie ihm entgegen, ihre Schwester Maria (von Magdala) aber blieb im Haus sitzen.
21 Marta sagte zu Jesus: Herr, wärst du hier gewesen,
dann wäre mein Bruder nicht gestorben.
22 Aber auch jetzt weiß ich: Alles, worum du Gott bittest, wird Gott dir geben.
25 Jesus sagte zu ihr: Ich bin die Auferstehung und das Leben. Wer an mich glaubt, wird leben, auch wenn er stirbt,
26 und jeder, der lebt und an mich glaubt, wird auf ewig nicht sterben. Glaubst du das?
27 Marta sagte zu ihm: Ja, Herr, ich glaube, dass du der Christus bist, der Sohn Gottes, der in die Welt kommen soll.
Darauf ging Jesus zum Grab von Lazarus 
33 und als er sah das Maria und die Juden 
die mit ihr gekommen waren trauerten, 
war er im Innersten erregt und erschüttert.
35 Da weinte Jesus.