Christkönigssonntag - 
Jugendsonntag

23. November 2025

Lk 23, 35b–43 

 Liebe Feiergemeinde, Schwestern und Brüder im Glauben an Jesus Christus.

Junge Menschen erleben seit Generationen eine besondere Gemeinschaft in den Mauern der Kirche und des Pfarrhofes hier in Gallneukirchen. Sie erleben einen Ort, wo sie angenommen sind, wo sie vorurteilsfrei sie selbst sein können. Sie machen Erfahrungen des Getragen-Seins und des Wachsen-Könnens. Sie knüpfen Freundschaften, sie verlieben sich und trennen sich. Sie gründen Familien, in denen auch die Kinder wieder dieselben Erfahrungen machen können. Die Katholische Jugend trägt, wenn ich das etwas salopp sagen darf, also zum Erhalt einer Gemeinde bei.

Auch wenn man mit älteren Semestern über ihre Zeit in der KJ spricht, ist da ein gewisser Geist spürbar. Ein Geist des Getragen-Seins, der, so scheint es, von der Zeit unbeeindruckt fortbesteht. Aber vielleicht ist es euch auch aufgefallen: Mit Gott hat das anscheinend nur wenig zu tun. Oder doch? Lasst uns zurückschauen in der Zeit mit unserem heutigen Festtag, dem Christkönigssonntag, und darauf blicken, ob Gott für Jugendliche noch Halt geben kann. Ein kleiner Spoiler-Alarm: Ja, er kann.

Wir feiern heute hier in dieser Gemeinde vermutlich zum 100. Mal den Christkönigssonntag. Im Dezember 1925 wurde er das erste Mal gefeiert. In einer Zeit, als die europäischen Monarchien in der Katastrophe des Ersten Weltkriegs untergegangen waren, betonte man das Königtum Jesu Christi. Rückständig, könnte man meinen. Aber Jesu Königtum ist eine andere Herrschaftsform als jene, die bis dahin mit Königen und Kaisern verbunden wurde. Sie baut auf Augenhöhe auf, sie erhebt die vermeintlich „Untergebenen“ auf dieselbe Stufe wie den König, wie Christus. Jesu Königtum ist nicht von dieser Welt. Es ist für uns nur schwer zu verstehen, denn die Kategorien der Güte und Barmherzigkeit Jesu, des Halts, übersteigen unsere menschliche Vorstellungskraft.

Das Fest wurde auch zu einem Identifikationspunkt junger Christ*innen. Denn als das nationalsozialistische Regime in den 30er-Jahren die religiösen Jugendorganisationen verbot und drangsalierte, wurde die Feier des Christkönigssonntags eine Form des zivilen Widerstandes, die deutlich zeigen sollte: Der Maßstab einer Herrschaft kann nie ein diktatorisches System der Zerstörung sein, sondern muss sich an Jesus Christus orientieren – an seiner Botschaft, an seinem Handeln. Aus diesen Gegenbewegungen heraus entstand nach dem Krieg auch die Katholische Jugend, die so den Christkönigssonntag auch als Jugendsonntag zu feiern begann.

Jesus als Maßstab für ein gerechtes Handeln, Jesus als Maßstab für ein liebendes Miteinander, Jesus als Maßstab für Vergebung und Versöhnung. Jesus als Maßstab für eine gelingende – eine faire – Gesellschaft. Das war für Generationen von jungen KJ-ler*innen der Ausgangspunkt ihres Engagements. Und dabei auch immer der Stachel im Fleisch der alten Kirche, um zu zeigen: Junge Menschen brauchen andere Formen des Feierns, eine andere Sprache, eine Begegnung auf Augenhöhe.

Und die etablierte Kirche in unseren Breiten hat bis heute versagt, dieses Verlangen auch nur annähernd zu erfüllen. Ich denke, so ehrlich können wir sein.

Ich bin überzeugt: Wir brauchen keinen anderen Jesus. Wir brauchen keinen anderen Gott, der jungen Menschen Halt geben kann. Denn das tut er heute wie vor 70 Jahren, vor 2000 Jahren und seit Anbeginn der Zeit.

Gott gibt Halt durch seine Liebe, die in unserem menschlichen Handeln erfahrbar wird. So wie Jesus die Ausgegrenzten in die Mitte holte, tun das junge Christ:innen in der KJ. So wie Jesus unangenehme Wahrheiten ansprach und radikale Neuauslegung forderte, tun das junge Menschen in der KJ. So wie Jesus ein dienender König war, stellen sich junge KJ-lerinnen in den Dienst der Schöpfung und der Gemeinschaft. – Vielleicht haben diese jungen Menschen nur verlernt, ihre Tätigkeiten als zutiefst jesuanisches, christliches, ja katholisches Handeln zu deuten und stolz darauf zu sein.

Und vielleicht haben wir Erwachsene, Eltern und Großeltern, die etablierte Volkskirche, es ebenso verlernt, den eigenen Glauben zu pflegen und weiterzugeben und versäumt, jüngere Generationen in ihrem Glauben zu leiten, zu führen und ihr Engagement als eben jenes christliche Handeln zu erkennen und dieses auch zu würdigen.

Schwestern und Brüder, ich denke, die aktuelle Verfasstheit der katholischen Kirche braucht klare Worte. Wenn junge Menschen Kirche wieder als lebendigen Ort entdecken sollen, dann braucht es Veränderung. Und wenn Kirche nicht nur als Ort der caritativen und gesellschaftlichen Gemeinschaft bestehen bleiben soll, braucht es eine breite Neuentdeckung unseres Glaubens und des Königs, den wir an diesem Wochenende feiern – in allen Generationen.

So will ich am Ende noch auf den schauen, der am Anfang dieser Bewegung vor ca. 1995 Jahren stand und von dem wir im Evangelium gehört haben. Jesus hängt am Ende seines Lebens am Kreuz: geschunden, gefoltert, verleumdet und verspottet – kein König, wie wir ihn uns vorstellen. Und gerade dort, in diesem Moment der äußersten Schwäche, zeigt er die wahre Größe seines Königtums. Er vergibt. Er hält einen Menschen, der kaum etwas vorzuweisen hat. Er schenkt Hoffnung, wo eigentlich nichts mehr zu hoffen ist. Das ist die Liebe Gottes, die uns Christ:innen – Jung und Alt – in unserem Handeln antreiben sollte. Das ist die Liebe Gottes, die ich in meinem Leben ernst nehmen will. Eine Liebe, die mich im schwächsten Moment des Lebens auffängt, hält und hoffen lässt. Und eine Liebe, die mich so akzeptiert, wie ich bin.

AMEN