21. Sonntag im Jahreskreis 24.08.2025
Über den Gott, der niemanden ausschließt, sondern uns durch Geduld und Liebe zum Ziel begleitet.
Jes 66, 18–21
Ps 117, 1.2
Hebr 12, 5–7.11–13
Lk 13, 22–30
Liebe Feiergemeinde, Schwestern und Brüder im Glauben an Jesus Christus!
An Wochenenden wie diesem, an denen uns die Leseordnung schwierige Texte auferlegt, sind nicht nur die Predigenden gefordert, sondern auch die Zuhörenden.
Jesus – unser Freund und Bruder, unser Heiland und Retter – macht in seinen heutigen Worten klar:
Das ewige Leben, Erlösung und Heil werden am Ende der Zeit nicht allen von uns zuteilwerden.
Nein, „Zähneknirschen und Heulen“ wird da sein.
Manche, so scheint es, haben sich nicht genug bemüht; andere haben es gar nicht versucht.
Der Zugang zum Himmelreich als Leistungsschau.
Lesen und hören wir die heutige „Frohe Botschaft“ isoliert, so ist daran wenig Frohmachendes – ja, sogar eher etwas Bedrohliches und Ängstigendes.
In der zweiten Lesung aus dem Hebräerbrief wird es dann noch befremdlicher.
Die „Züchtigung des Herrn“ als Liebesbeweis und Schulung im Glauben ist für Opfer familiärer Gewalt eine unzumutbare Botschaft.
Dass Teile der katholischen Amtskirche selbst – unter ihrem Personal und in ihren Einrichtungen – die Sünde des körperlichen, sexuellen und geistlichen Missbrauchs jahrzehntelang geduldet haben, macht solche Zeilen noch unbegreiflicher. Lesungstexte wie dieser sind aus heutiger Sicht nicht mehr zu verstehen. Und ich denke, man sollte sich hüten, hier eine positive Botschaft hineinzudeuten.
Dass wir diese Texte heute noch lesen, ist vielmehr ein Versuch, uns die Lebensrealität der Urgemeinden vor Augen zu führen – im Fall des Hebräerbriefs eine verunsicherte Gemeinde.
Das Ausbleiben der Naherwartung der Wiederkunft Christi, also der Überzeugung, dass die Offenbarung sich noch zu Lebzeiten ereignen würde, war für die Christen der ersten Jahrhunderte – neben der politischen Verfolgung – eine große Erschütterung.
In dieser Situation liegt der Erklärungsversuch des Paulus, diese Erfahrungen als „Züchtigung“ und Erziehungsmaßnahme Gottes positiv zu deuten.
So möchte ich mit euch den Blick weiten.
Versuchen wir, die widersprüchliche Verkündigung zu verstehen, um auch in der heutigen Frohbotschaft eine gute Nachricht zu erkennen.
Erinnern wir uns an die Worte der Lesung aus dem Ersten Testament.
Der Prophet Jesaja sagt uns am Ende seines Buches zu, dass der Herr alle Nationen versammeln wird, um seine Herrlichkeit zu sehen.
Obwohl er die Taten und Gedanken aller kennt – wo sicherlich auch Unheiliges dabei ist –, sendet der Herr sogar zu den fernen Inseln.
In dieser prophetischen Schrift wird uns also von einem Gott erzählt, dem es wichtig ist, allen Menschen die Erfahrung seiner Gnade und Herrlichkeit zu schenken.
Davon merken wir in der heutigen Verkündigung Jesu nach Lukas allerdings herzlich wenig.
Da wird denen, die voll Sehnsucht an die Tür schlagen, der Einlass verwehrt.
Man stelle sich vor: Beim nächsten Krippenspiel würde Maria und Josef nicht einmal der Stall angeboten.
Die enge Tür, die ins Reich Gottes führt – die so viele ausschließt –, sie sperrt und quietscht ordentlich, wenn wir sie mit der restlichen Verkündigung des Evangelisten vergleichen.
Denn direkt vor unserer heutigen Schriftstelle spricht Jesus in den Gleichnissen vom Senfkorn und vom Sauerteig ebenfalls vom Reich Gottes.
Allerdings als einem Ort des Wachsens, gleichsam einem Prozess, in dem wir uns immer mehr mit Gott verbinden können.
Dass wir auf unserem Lebens- und Glaubensweg – wie ein gut durchgereifter Sauerteig – Zeit brauchen, um schließlich ein reichhaltiges Brot zu backen, um bei Gott anzukommen.
Aber noch viel mehr zeigt uns das Gleichnis vom Barmherzigen Vater eine ganz andere Erlösungserzählung bei Lukas:
Ein Vater, der wartet, bis der verlorene Sohn heimkehrt.
Ein Vater, der zur Vergebung auffordert.
Ein Vater, der niemanden verstoßt und keine Tür verschließt.
Diese Erzählung aus demselben Evangelium zeichnet ein anderes Bild vom Zugang zum Reich Gottes.
Schwestern und Brüder,
diese Widersprüchlichkeiten in den Evangelien beschäftigen uns Gläubige seit jeher.
Theologen haben ganze Bibliotheken gefüllt zu der Frage, ob die Verheißungen der Frohen Botschaft einigen verwehrt bleiben – ob sie zu einer Zwei-Klassen-Offenbarung führen.
Ob es also denkbar ist, dass der barmherzige Gott, unser Erlöser Jesus Christus, und der Heilige Geist, der uns im Leben leitet und in dessen Namen wir getauft sind, am Ende Nein zu uns sagen könnten.
Dass wir am Ende bei der engen Tür stehen und – nach Abwägung unseres Lebens – abgewiesen und verworfen werden.
Einzelne Schriftstellen legen das nahe.
Die gesamte Geschichte Gottes mit uns Menschen macht für mich aber eine gänzlich andere Aussage.
Gott, der einen klaren, vollkommenen Weg vorgibt.
Gott, der uns ins Leben gerufen hat, um diesen Weg zu gehen.
Gott, der mit seiner Schöpfung ringt, der sich immer wieder darum bemüht, sein Volk – uns alle – auf diesen Weg zu führen und zu leiten.
Gott, der um unsere Schwächen genauso weiß wie um unsere Stärken.
Der uns helfen wird, uns mit den Momenten unseres Lebens zu versöhnen, in denen wir seinen Weg verlassen haben.
Gott, der mich ernst nimmt und mich an seiner Hand durch die engste Tür führen wird.
AMEN.